10 Jahre Brückendienst

Ein Hoch auf das Leben - bis zuletzt im vertrauten Umfeld

Nachttisch
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Dort sterben zu dürfen, wo man gelebt hat, wo man sich wohl und geborgen fühlt, wo es nach Zuhause riecht und der Ausblick aus dem Fenster vertraut ist. Auch dann, wenn komplexe Pflege und Betreuung unabdingbar geworden sind. Diesen Wunsch ermöglicht die spezialisierte Palliativ- und Onkologie-Pflege der Spitex Stadt Luzern unter dem Namen «Brückendienst» bereits seit 10 Jahren schwerstkranken und sterbenden Menschen.

Den Begriff «Palliative Care» hört man immer wieder. Dahinter steckt allerdings weit mehr als nur die Linderung von Schmerzen am Lebensende. «Palliativ» kommt vom lateinischen Pallium, zu deutsch Mantel – es steht für umhüllen, wärmen, schützen. Das englische «care» bedeutet Fürsorge, Pflege, Behandlung. Gemeint ist also eine umfassende Betreuung, die auch die Angehörigen und die Lebensgewohnheiten der Betroffenen berücksichtigt.

Möchten Sie mehr über den Brückendienst erfahren?

Dann bestellen Sie über das Bestellformular unsere Jubiläumsbroschüre mit vielen Informationen, Geschichten und Interviews. Einige Einblicke finden Sie weiter unten auf dieser Seite.

Die Anfänge des Brückendienstes 

Notizbuch
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2008

Im Sommer beschliesst die Spitex Stadt Luzern, in die spezialisierte Palliative Care zu investieren.

2009

Im Juni beginnt die Geschäftsleitung mit der Ausarbeitung eines Konzepts für ambulante Palliative Care.

2011

Am 1. Februar nehmen vier Fachpersonen unter dem Namen «Brückendienst» ihre Arbeit auf. Zum Ende des Jahres zählt das Team bereits sieben Mitarbeitende. Bis Ende 2020 durfte das Team rund 2'000 Klientinnen und Klienten in deren gewohnten Umfeld bis zum Tod begleiten.

Geschichten, die das Leben schreibt

Mitarbeitende des Brückendienstes berichten immer wieder, dass es auch im Angesicht des Todes nicht nur betrübt zugeht - vielmehr ist es Leben bis zuletzt, wie auch unser Beispiel zeigt:

Frau S. war schon sehr geschwächt, und die Untersuchungen im Spital zeigten ein rasches Fortschreiten ihres Tumorleidens. Trotzdem bestand sie weiterhin auf die Unterstützung des Brückendienstes, um noch in die Badewanne gelangen zu können. Das Vollbad (mit möglichst viel Schaum, Sekt und Lachshäppchen, die sie aufgrund ihrer Schluckbeschwerden kaum mehr essen konnte) wurde im Verlauf ihrer Erkrankung jeweils zum Höhepunkt der Woche.

Auch die folgenden Hörgeschichten lassen Sie in die «lebendige» Welt des Brückendienstes eintauchen:

Weinglas
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«Like a bridge over trouble water»

Der Klassiker von Simon and Garfunkel beschreibt sehr treffend den ganzheitlichen Betreuungsansatz des Brückendienstes: Er baut Brücken für Menschen in äusserst schwierigen Situationen. Der Mensch und sein Schicksal stehen im Mittelpunkt; an ihm richten sich alle Leistungen aus. Der Brückendienst setzt dort an, wo er gebraucht wird, passt seine Leistungen stetig den wechselnden Situationen an.

Dazu gehören beispielsweise komplexe Pflegeverrichtungen, wie die Verabreichung von Infusionen, Nährlösungen, Chemo und anderen intravenös verabreichten Medikamenten. Aber auch die Begleitung und Entlastung betreuender Angehöriger oder die Koordination mit Ärzten und anderen Institutionen. Dies alles in einer würdevollen und ruhigen Atmosphäre, die den Betroffenen die nötige Sicherheit gibt.

Was dies auch für die Angehörigen bedeutet, zeigt exemplarisch dieser Dankestext:

«Es ist mir ein grosses Anliegen mich für die äusserst professionelle und liebevolle Betreuung meiner Mutter zu bedanken. […] Diese Frauen leisten Enormes unter zum Teil sehr grosser psychischer Belastung. Sie alle haben es sehr behutsam verstanden, den Aufenthalt meiner Mutter zu Hause so würdevoll wie möglich zu gestalten. Aus meiner Sicht geht ihr Verständnis der Betreuung der Patienten weit über das hinaus, was ich erwartet hätte. Das verdient meine Hochachtung vor dieser grossartigen Art der Betreuung.»

Die Finanzierung bleibt schwierig

Von Beginn an war der Brückendienst auf Spenden und Stiftungsgelder angewiesen. Dies, weil der ganzheitliche Ansatz, der einem zutiefst menschlichen Bedürfnis entspricht, mit den üblichen Pflegesätzen von Krankenkassen und Gemeinden nicht bezahlbar ist. 

Seit 2008 sind die Kantone angehalten, allen Menschen in ihrem Einzugsgebiet unabhängig vom sozioökonomischen Status Zugang zu Palliative-Care-Leistungen zu ermöglichen. Bis heute konnte dies nicht vollständig umgesetzt werden. Dazu sagt Sibylle Jean-Petit-Matile, Geschäftsleiterin der Stiftung Hospiz Zentralschweiz:

«Die Palliative Care ist seit zwölf Jahren ein Thema in unserem Land, und seit zwölf Jahren weiss man, dass der Knackpunkt die Finanzierung dieser Leistungen ist. Dass wir in diesem Punkt nicht weiter sind, ist nicht nur frustrierend, es ist auch beschämend. Wenn Betroffene aufgrund ihrer Erkrankung auf palliative Leistungen angewiesen sind, müssen sie einen Teil der Kosten selbst tragen. Und die Leistungserbringer wie der Brückendienst und das Hospiz sind auf grosse Spenden angewiesen, um all die nicht gedeckten Leistungen dennoch erbringen zu können, damit diese nicht auch noch auf den Patienten fallen. Hier besteht ein dringender doppelter Handlungsbedarf!»

Die Spitex Stadt Luzern engagiert sich daher in dem kürzlich gestarteten Projekt des Vereins Palliativ Luzern zur Ausweitung des Angebotes über den gesamten Kanton.

Möchten Sie den Brückendienst unterstützen?

Dann freuen wir uns über Ihre Spende - gerne direkt online über unsere Spenden-Plattform. Auf dass der Brückendienst auch in Zukunft seine Aufgaben erfüllen kann.